Der Zwang des Kommerz - Wie Verbände mit ihren Vereinen umspringen

vom 30.03.2011 14:49 von Tim Digel

Anfangs des Jahres erlangte eine Funktion zur statistische Auswertung von Spielergebnissen auf der Homepage des TSV Gomaringen großes Aufsehen in Deutschland. Unmittelbar darauf zog der Tischtennisverband Württemberg Hohenzollern, wohl im Auftrag wichtiger Organisationen im Hintergrund, das Schwert und richtete es in Form einer anwaltlichen Unterlassungserklärung gegen seinen eigenen Mitgliedsverein.

Der Tischtennissport ist seit Jahren unser aller Freude und Hobby. Seit Jahren eilen viele Mitglieder unserer Abteilung Wochenende für Wochenende in verschiedenen Spielklassen dem kleinen Ball hinterher. So kontinuierlich der Fortschritt in Technik und Material Einzug erhält, so tut er dies auch im Bereich Ergebniszahlen und Statistiken.

Unser Mitglied Tim, im zarten Alter von 22 Jahren, seit der Jugend Mitglied in unserem Verein, fand erfreulicherweise Jahr für Jahr immer mehr Spaß und Interesse sich auch im abteilungsführenden Bereich einzubringen. Neben seinem Jugendleiterdasein programmierte er vor 5 Jahren unseren Homepageauftritt. Innerhalb kürzester Zeit erfreute sich unsere Homepage höchster Beliebtheit. Das Bestreben immer etwas Neues für unsere Gäste und Besucher zu bieten stieg stetig an. Viele interessante Informationen und Funktionen wuchsen fast wöchentlich heran, ehe Tim eine weitere tolle Idee mit einer Statistikfunktion umsetzte. Wer hat sich nicht schon mal gefragt, wie viel 5. Sätze er im Durchschnitt so gewinnt oder wie das Abschneiden im Doppel mit einem gewissen Partner so ist? Das sind alles Fragen, die man auf Grund von Spielergebnissen einer einzelnen Person sehr leicht abfragen kann. Solche Abfragen hat Tim verfasst und lies das Ergebnis in schönen Kreisdiagrammen und kleinen Tabellen anzeigen. So was ist natürlich für jeden verwendbar, sofern man dessen Ergebnisse kennt. Deshalb programmierte er uneigennützig und ohne bösen Hintergedanken alles so, dass jeder Tischtennisspieler seine Daten aus dem clickTT kopieren lassen konnte, um danach seine eigene grafische Auswertung zu begutachten. Alles also ganz bequem, auf eigene Veranlassung und beschränkt auf eine Person.

Diese tolle Möglichkeit und Funktion, die es jedem erlaubte nette, interessante Statistiken über sich einzusehen, begeisterte kurze Zeit ganz Deutschland. Viel Lob, Anerkennung und weitere Verbesserungsmöglichkeiten gingen bei unserem Tim ein. Leider schien die ganze Geschichte eine bestimmte Institution in Deutschland ein wenig zu stören. Wie es oftmals auch in anderen Bereichen so ist, gibt es halt immer jemanden der mit gewissen Dingen Geld verdienen möchte. Diesen Einrichtungen sind solche Mitbewerber verständlicherweise ein Dorn im Auge. Was tut man, bzw. was geschieht im heutigen Zeitalter, dem Jahre 2011? Richtig, man läuft mal pauschal zum Rechtsanwalt und lässt mit Pauken und Trompeten abmahnen! Man droht mit recht hohen Vertragsstrafen und möchte von Anfang an „freundlich einschüchtern“.
So geschehen auch in unserem Fall. Ehe man zum Abteilungsleiter Rudi Maikler das persönliche Gespräch suchte, stand der Anwalt quasi schon in den Startlöchern und seine teuren E-Mail-Zeilen im Postausgang bereit. Auch unser Verständnis unserem Verband TTVWH und seinem Einwand gegenüber, sowie unserer minuten-schnellen Deaktivierung per Fernzugriff aus dem Vorlesungssaal war im Grunde genommen gleichgültig, da der anwaltliche Gang im Hintergrund wohl schon längst beschlossene Sache war. Anders wären solch kurze Einsatzzeiten und Abstände von Anrufen und E-Mails nicht zu erklären.

Der eigene Verband gegen seinen Mitgliedsverein TSV Gomaringen. Gomaringen, ein aufstrebender Verein, der mit 13 Mannschaften jedes Jahr Unmengen an Mannschaftsgeldern pünktlich dem TTVWH überweist und der zusätzlich noch vier ehrenamtliche Bezirksmitarbeiter stellt, die insgesamt sogar fünf Ämter besetzen. Zwei davon schreiben in diesem Bericht. Würde jeder Verein solch ein Engagement dem Tischtennissport entgegenbringen wären wir heute wohl ein gewaltiges Stück weiter. Dennoch wird von Anfang an mehr oder weniger anwaltlich mit uns kommuniziert. Das ist zweifelsohne Fair Play, das ist unumstritten der sportliche Gedanke, den man auf der anderen Seite tag täglich überall gelehrt und eingetrichtert bekommt.

Es ist traurig was ein kommerzieller Gedanke heutzutage oftmals auslöst. Kann man es in der Wirtschaft das eine oder andere Mal vielleicht noch ein wenig nachvollziehen, so ist es in unserem Hobbysport Tischtennis doch eher Besorgnis erregend. Ärgerlich wohl auch, dass viele Stimmen die kostenlose Funktion qualitativ hochwertiger empfanden als die Kostenpflichtige. Ja, das muss kratzen. Das verstehen wir schon. Nur was überhaupt nicht zu verstehen ist und in unserem überwiegenden Freizeitsport bedrohlich und schon fast schandhaft ist: Ein Verband tritt auf so eine Art und Weise seinem eigenen Mitglied entgegen und versucht das im Nachhinein mit zweifelhaften Argumenten zu rechtfertigen?
Der TSV Gomaringen hat die Unterlassungserklärung unterschrieben. Schließlich müssen wir das Wohlwollen eines Vereins mit über 1100 Mitgliedern im Hinterkopf behalten, der es sich nicht leisten kann Anwälte und sonstige Mittel zu unterhalten, nur um zweifelhafte Rechtsdiskussionen aufzuklären. Zum anderen gehen wir alle einem Beruf nach, der persönliche Zeit und Kräfte genug erfordert, als dass man nebenher noch monatelange Rechtsstreitereien mit seinem Verband und dessen Auftrag-/Hinweisgeber führen möchte.
Zwei E-Mails mit einer Handvoll Zeilen eines Rechtsanwaltes haben uns nun 450 Euro an Kosten beschert. Eine Unterlassungserklärung über Urheberrechts-/Lizenzrechtverletzungen, wo es nicht im Geringsten eindeutig geklärt wäre, wer hier überhaupt im Recht stünde. Apropos Recht: Spielergebnisse sind nicht urheberrechtlich geschützt, da hier keiner etwas erfindet oder kreiert. Vielmehr ist es ein zufälliges Ergebnis, wenn zwei Spieler ein Tischtennismatch austragen. Und es gibt in Deutschland zwar wohl ein Datenbankenherstellerrecht, dass Ergebnisdienste im gewissen Maße vor fremder Selbstbedienung der Daten schützt, doch dieses greift nicht, wenn berechtigte Personen unwesentliche Teile davon auslesen oder auslesen lassen.

Ob wohl eine einzelne Person berechtigt ist seine Spielerdaten auslesen zu dürfen oder ob die Daten von einer Person in Bezug auf die Gesamtmenge „unwesentlich“ ist? Darüber kann sich jeder selbst ein Bild machen. Zudem, wie kommen die Ergebnisse in die Datenbanken? Richtig, wir tippen sie selbst dort ein, Fullservice für den Verband. Und dann darf man die Daten selbst nicht mal benutzen? Aber wieso auch groß überlegen und Anwälte beschäftigen um diese Fragestellung zu klären, wenn man selbige Anwälte auch einfach gleich Unterlassungserklärungen gegen die eigenen Mitgliedsvereine aufsetzen lassen kann.

Trotz diesen ganzen negativen Erlebnissen und Erfahrungswerten möchten wir noch ein lobendes Wort an Herrn Thomas Walter (Geschäftsführer des TTVWH) verlieren, mit dem es allseits konstruktiv war, über diese Vorgehensweise seitens des Verbandes zu diskutieren. Herr Walter ließ sich sportlicher weise auch noch auf ein freundliches Entgegenkommen ein, dass dem TSV Gomaringen die diesjährigen Württembergischen Pokalmeisterschaften für untere Spielklassen am 30.4./1.5. ausrichten darf. Dies wollen wir Gomaringer Tischtennis-Freunde nutzen, um uns die unerwartet aufgetauchten Belastungen unserer prall gefüllten Abteilungskasse ein wenig auszugleichen. Über euren Besuch, ein persönliches Kennenlernen mit dem einen oder anderen Kameraden und über ein tolles, gemeinsames Turnier würden wir uns alle sehr freuen!

Die Statistikfunktion ist leider gestorben. Wer möchte, kann die Software an sich kaufen, natürlich ohne den Abgemahnten gemeinen fopen-Befehl der PHP-Programmiersprache, der mit „fopen(CLICK-TT)“ Daten rüber kopiert.
Wir bedanken uns bei allen, die uns dafür sehr viel Lob und Komplimente zugetragen haben. Auch den vielen Leuten, die uns den Rücken gestärkt haben und auch das ein oder andere Wort gegen den Funktionären geäußert haben gilt unser Dank. Durch all diese Worte wurde uns umso mehr klar, dass hier wohl gewisse Leute mächtig übers Ziel hinaus geschossen sind. Aber diese Art Politik verfolgt uns mittlerweile ja täglich an verschiedenen Orten. Hier wird dem Fußvolke ja immer klar gemacht, wie was zu funktionieren hat. Wir wünschen Herrn Lang und seinem mytischtennis.de eine erfolgreiche Markteinführung.

Abteilungsleiter Rudi Maikler und Homepage-Admin Tim Digel
Autor: Tim Digel

Bericht  

Kommentare

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Muhsin D.
am 02.05. um 11:41 Uhr
Ein Skandal der nach Aufstand schreit! Wie wäre es mit einer Protestseite, Boykottseite oder ähnlichem.

Oder eine Art Massenklage. Alle invesieren in eine Rechtsprüfung. Gemeinsam ist man immer stark

Eure Idee find ich super und aller Ehren Wert. Der Mappus Verband dagegen sich schämen und sich hinterfragen warum TT eine Randsportart ist und mit so Methoden auch weiterhin bleiben wird.

Das WIR Gefühl wird hier mit Füssen getreten ...
Martin Wesssnichtmehr
am 02.05. um 12:45 Uhr
Die Unterlassungserklärung ist unterschrieben. Man hätte ggf eine eigene aufsetzen müssen "ohne Anerkenntnis irgendeiner ..." um jetzt noch was zu machen. Aber ein Aufstand lohnt sich nicht. Ich würde den Fall aber bei der Zeitschrift Tischtennis kommunizieren. Oder eventuell bei TT News noch größer rausbringen. (Man kann ja mal den Betreiber fragen). Wenn die Abmahnpraxis in TT Verbänden Einzug hält sollte man das zumindest veröffentlichen. Sowas ist nämlich wirklich das Letzte...
Rudi Maikler
am 02.05. um 13:03 Uhr
Liebe TT-Kameraden / -Freunde aus ganz D,

zu allererst Vielen Dank für Eure lobenden und auch unterstützenden Worte.

Die Unterlassungserklärung ist "ohne Anerkennung irgendeiner ...." unterschrieben worden. Aber nicht mit dem Hintergrund bzw. Ziel nun einen Aufstand auszulösen.

In der Zwischenzeit ist auch der TTVWH wieder mehr in einer Art auf uns zugekommen und getreten, wie man sich das eigentlich auch "vorstellt" bzw. wie man es im Sportlichen Miteinander erwartet (erwarten könnte). Ich denke, auch dort war es einigen Mitmenschen und Kameraden durchaus bewusst, oder sagen wir ist es klar geworden, dass hier der falsche Weg und Kommunikation gewählt wurde.

Auch die aktuell harmonische gemeinsame Durchführung der Württ. Pokalmeisterschaften mit dem TTVWH stimmt mich positiv, dass hier etwas begriffen und dazu gelernt wurde. Vielen Dank hierfür an die Herren Staudenecker, Kaltenbach und auch Herr Walter.

Zu dem Thema MyTT.de und dessen Betreiber möchte ich mich eigentlich nicht mehr äußern.

Persönlich, sowie im Namen des kompletten TSV Gomaringen Tischtennis-Teams (Vereines) möchten wir uns alle für Eure Unterstützung und netten Worte bedanken und wünschen uns allen (trotz nicht immer gelungener Entwicklungen) in unserem aller Freizeit-/Hobby-/Profisport weiterhin viel Spaß und die für uns gern willkommene Abwechslung zum Alltag.

Besucht uns weiter regelmäßig auf unserem Internet-Auftritt, hinterlasst weiterhin Eure Meinungen (positiv wie negativ) und sollte der eine oder andere mal in unserer schönen Gegend sein, klemmt gerne Euren Schläger untern Arm und schaut in unserem Training vorbei.

Liebe sonnige Grüße aus Gomaringen.

Rudi Maikler
Bernhard E.
am 29.09. um 10:10 Uhr
Klar, es wurden die Eigentumsrechte umgangen. Aber man hätte damit auch anders umgehen können. Eigentlich schade, dass nicht erst der direkte Kontakt zum Verein und Programmierer gesucht wurde!
Peter Schröder (Brachttal Hessen)
am 05.07. um 14:02 Uhr
Hallo Zusammen

es ist doch immer wieder das gleiche. Sobald Kommerz und Ehrenamt aufeinander Prallen muss sich das Ehrenamt zurückziehen. Leider habt ihr die Unterlassungsklage Unterschrieben( wobei aus Finanzieller sicht fast schon nachvollziehbar wobei habt ihr bei 1100 Mitgliedern im Verein keinen Anwalt??).
Ich war selber Jahrelang 1. Vorsitzender (Kein TT und mitglied im Bezierksvorstand) und habe mit einem Jugendlichen von uns unser HP gepflegt. Durch das einpflegen einer Straßenkarte hatten wir auch ein Anwaltliches schreiben erhalten mit Unterlassungsklage. Nach eingang des Schreiben und rücksprache mit unserem Geschäftsführer(Beruf Anwalt ) haben wir die Karte entfernt. Das schreiben wurde von uns nie Unterschrieben. Es kamen auch keine weiteren Schreiben mehr . Auch wenn unsere Sache etwas anders gelagert ist (Kartenmaterial von Falk ) kann ich jedem nur Raten nicht klein beizugeben und dieses zur Not auch Anwaltlich klären zu lassen. Denn die Herren Funktionäre wären keine wenn es nicht die Ehrenamtliche und Vereine gäbe.
Wäre dieses in meiner Zeit als Vorstand vorgekommen ich hätte nicht klein beigegeben. Zumal, wie schon in mehreren Kommentaren schon beschrieben, die eingepflegten Daten nicht alleiniges Eigentum vom Verband ist.

Egal es ist wie es ist.
Macht weiter mit Spass und Einsatz.
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